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-Geordnet

Ein geordnetes Leben

Dieser Tag war stürmisch. Sie blickte aus dem Fenster. Die Bäume bogen sich, der Wind peitschte den Regen gegen die Scheiben. Unbehagen überkam sie. Sie hatte es gestern schon gemerkt, irgendetwas stimmte nicht. Winterdepression? Zu viel gearbeitet? Schlecht geschlafen? Welche Geister der Vergangenheit schlichen sich da an? Sie wollte es abschütteln. Dieses flaue Gefühl im Magen und der Druck im Kopf erzeugten Ablehnung in ihr. Nein, so wollte sie nicht fühlen. Sie liebte geordnete Gefühle in einem geordneten Leben. Und hörte sich darüber selber lachen. Längst waren ihre Pläne über den Haufen geworfen.

Und das war auch gut so. Sie plante nun einmal gerne. Und dann kam das Leben und wischte ihren Plan beseite. Einfach so. Das Geschirr im Kasten stand an seinem Platz. Wenigstens hier herrschte Ordnung. Scheinbar. Der Regen prasselte nach wie vor auf die frisch geputzten Scheiben. Sie dachte nach und versuchte, dem flauen Magengefühl zu folgen. Oh nein. Sehr ungemütlich. Schon in ihrer Kindheit versuchte sie diesem Gefühl zu entkommen. Wenn die Mutter wieder kotzend über der Klomuschel hing - nach der xten Chemorunde. Oder der Vater sein Mittagessen einforderte - um Punkt 12:00.

Heute zeigte sich der Tag freundlicher. Sie blickte aus dem Fenster und sah blauen Himmel, ein paar Nebelfetzen und die Raben, die ihre Flugrunden drehten. Es würde ein guter Tag werden. Sie hatte reichlich geschlafen, fühlte sich frisch und munter. Gestärkt durch einen Morgenkaffee machte sie sich an die Arbeit. Es gab noch einiges zu erledigen, ehe sie sich dem bevorstehenden Weihnachtsfest widmen konnte. Diesmal sollte Weihnachten ja ordentlich gefeiert werden so mit allem Drum und Dran. Erinnerungen an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit tauchten auf.

Weihnachten! Würde es diesmal anders werden? Viel Trubel, viel Vorbereitungen. Sie hatte es ganz ohne Stress geschafft. Obwohl die halbe Familie mit starker Verkühlung oder Fieber im Bett lag. Wunderbar. Sie wollte feiern. Statt dessen sollte sie die geladenen Gäste nun alleine unterhalten. Nun denn. Sie hatte viele Kerzen aufgestellt, den Tisch geschmückt, die Palme in einen Christbaum verwandelt. Es war gut. Manchmal sehnte sie sich nach einer familiären Zugehörigkeit. Irgendwie hatte sie diese nach dem Tod ihrer Mutter verloren. Aber vielleicht war diese Zugehörigkeit genau jetzt, an diesem Tag, mit all diesen unterschiedlichen Menschen, die an dem Weihnachtsfest teilnahmen, spürbar? Was war denn genau ′Familie′? Wann fühlte man sich ′zugehörig′? Am Tisch wurde gegessen, gelacht, geplaudert. Und geschnäuzt und gehustet. Weihnachten eben. Zum ersten Mal anders als sonst.

Der letzte Tag im Jahr. Sie war krank geworden. Wieder einmal zum Jahresende. Eigentlich wollte sie Zeit für sich haben. Jetzt musste sie wieder auf ihren schmerzenden Körper hören. Was zählte denn wirklich im Leben? Mit ihren nunmehr 52 Jahren blickte sie auf viele Erfahrungen zurück - und nicht alles stimmte sie fröhlich. Sie war sich auch nicht mehr so sicher, ob sie nicht vielleicht doch das Eine oder Andere hätte anders entschieden - hätte sie die Möglichkeit ein 2x. Am Jahresende stellt man sich doch immer diese Fragen: was hättest du anders gemacht? Würdest du dein Leben auch ein 2x genau so leben? Was sollten diese Fragen eigentlich? Natürlich war sie heute genau deshalb so, weil sie ihr Leben so gelebt hatte, wie sie es eben leben konnte. Aber deshalb gleich wieder alles genau so machen? Nein. Sie fand nichts dabei, zurück zu blicken und zu Phasen ihres Lebens, zu Entscheidungen, die sie getroffen hatte, im Rückblick NEIN zu sagen. Schlicht und einfach NEIN. Was würde es ändern? Was war an einem NEIN so schlimm? Warum musste man alles annehmen und JA sagen. Ein passendes NEIN an der richtigen Stelle ihres Lebensfilms fand sie für angebracht. Oder sogar mehrere NEIN′s. 
Es war finster geworden. Die ersten Raketen waren am Himmel zu sehen. Es krachte rundum. Sie blickte aus ihrem Fenster in das Dunkel hinaus. Wie sehr würde sie sich freuen, Silvester auf der Burg zu feiern. Die Fenster hell erleuchtet. Musik.
Sie legte sich auf das Sofa. Sekt und Soletti. Vielleicht etwas Fisch. Neue Perspektiven taten sich auf. Was so eine Lageveränderung alles mit sich brachte ...

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