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Eine Selbstbeobachtung seit Herbst 2016- Zoom

Eine Selbstbeobachtung seit Herbst 2016

Wie alles begann
Vor den Geburten meiner drei Söhne hatte ich in Wien 23 einen Naturkostladen. Bewusstes Einkaufen von gesunden Nahrungsmitteln war mir wichtig. Da ich das Führen eines Geschäftes mit meinem Kinderwunsch für nicht vereinbar hielt, habe ich meinen Laden an meinen Ex-Mann abgegeben. Seit dieser Zeit muss ich ′extern′ einkaufen :-)

Im Alltag mit den Kindern hat sich ein gewisses Einkaufsverhalten eingestellt – oft war das Geld knapp, kein Auto zur Fahrt zum nächsten Bauern zur Verfügung oder es fehlte schlichtweg die Zeit, sich schlau zu machen, wo man was bekommt, das dann auch noch alle Kinder essen. Grundsätzlich stellt man sich das ja alles immer einfacher vor als es dann in der praktischen Umsetzung wirklich ist. Meine bewusste Grundeinstellung habe ich aber in den letzten Jahren nicht verloren.

2008 (also vor 10 Jahren) bin ich mit meinen Kindern nach Neulengbach übersiedelt – eine ganz bewusste Entscheidung für diese Stadt, die aus meiner Sicht alles bietet, was mein Herz begehrt – und das sehr wohl auch beim Einkaufen. Nahversorger, Bäckerei, Fleischerei, Post, Banken, Apotheke, Reformgeschäft, Friseur, Bauernladen, Modegeschäft, Schuhe, Gärtnerei, Versicherungsmakler, Immobilienhändler, Bibliothek, Libro, jede Menge Uhrmacher/Juweliere, Optiker, Tankstellen, ein Freibad, Lokale zum Fortgehen, … und auch Großhandelsketten – alles für mich in leicht erreichbarer GEH-Entfernung.

Die ‚eingefleischten‘ Gewohnheiten oder ewig gleichen Trampelwege
Nun hat man so seinen Einkaufszettel, seine Liste mit all den Wünschen der Familienmitglieder und den arbeitet man dann beim gemeinsamen Einkauf zum Ende der Woche hin ab. Wir hatten wirklich so richtig ausgelatsche Routine-Wege - Hofer, Spar, Billa, dann manchmal DM, zum Schluss eine Runde im Zentrum von Neulengbach – falls noch wer offen hatte.

Das ist zB auch so ein Punkt: wie die Kinder noch kleiner waren, war es kein Problem am Samstag am Vormittag gemeinsam einkaufen zu gehen. Jetzt arbeiten alle und sind müde von der Woche – dh am Samstag steht niemand vor 12:00 auf  - außer ich.

Da meine Söhne aber gerne mit mir einkaufen gehen, übernehme ich den Wochenend-Einkauf am Samstag Vormittag im Zentrum von Neulengbach und alles, was ich nicht heimschleppe, wird dann am Nachmittag noch nachträglich im Supermarkt geholt.

Die Bankomatkarte – das Bargeld
Der harte Weg der Selbstdisziplin
Ich hasse es, Bargeld rumschleppen zu müssen. Ich hab meist 20 Euro eingesteckt – reicht zur Not. Den Rest zahle ich mit Plastik. 
Das ist allerdings beim Einkaufen in Neulengbach im Zentrum ein Hindernis, weil es in einigen (nicht allen!!!) Geschäften keine Bankomatkartenbezahlung gibt. Dh, als ich anfing, meine Einkaufs-Routen und Routinen zu ändern und ZUERST am Samstag in der Früh ins Zentrum von Neulengbach einkaufen ging, musste ich den Bargeldstand in der Geldbörse abklären und zur Not zuerst den Bankomaten ansteuern. Und dort dann nicht einfach 100,00 abheben – das ist in manchen Geschäften (teilweise verständlich) nicht so gerne gesehen, wenn man um 09:00 in der Früh um 11,40 einkauft und mit 100,00 bezahlen möchte. So habe ich gelernt (und meine Routine geändert) und wähle nach dem Betrag noch die Stückelung. So bin ich jetzt meist mit 10- und 20-Euro-Scheinen ausgestattet.
Ich verstehe natürlich auch die ‚kleineren‘ Geschäfte, dass sich nicht jeder das mit der Kartenzahlung antun möchte. Ist auch ein administrativer  Aufwand. Aber als Konsument bin ich es gewohnt, mit Karte zahlen zu können. Geht ja sogar seit vielen Jahren auch beim Mäci. Und, wenn Bargeld nicht zur Alltagsroutine dazu gehört, dann ist das eine Hürde beim Einkaufen.

Meine persönliche Einkaufs-Emotionalität
Warum kaufe ich WAS und WO
Ich war selbst wirklich erstaunt, dass Einkaufen so viel mit Emotionalität zu tun hat – auch bei  mir. Ich dachte immer, ich wäre ‚vernunftorientiert‘. Nix da. Wie viel ‚Scham‘ da auch ins Spiel kommt.
… wer weiß, wie man von mir denkt, wenn ich drei Flaschen Wein kaufe …
… jetzt weiß JEDER, welche Unterwäsche ich trage …
Ich komme ja selbst aus einer Umgebung (mein ehemaliger Naturkostladen), wo Stammkunde sein, eine Bedeutung hatte und Kundenbindung überlebensnotwendig war. Trotzdem habe ich gemerkt, dass eine gewisse ‚Nähe‘ beim Einkaufen manchmal Unbehagen auslöst.
Der Ostbahn Kurti hat da ein nettes Lied, das das perfekt beschreibt – a g’sunde Distanz …
Es schwingt also viel Emotionalität mit beim Einkaufen und, wenn ich mich wo nicht wohl fühle, dann kaufe ich dort nicht ein.
UND, wenn ich mich wohlfühle, dann komme ich immer wieder
ABER
Fühlt man sich in einem Supermarkt wirklich WOHL? Oder trifft der ′nur′ grad das Thema ′Anonymität′ und ′Distanz′? Und es gibt viel weniger Verantwortung und gesellschaftliche Kontrolle beim Einkauf im Supermarkt und keiner schaut, ob ich grad Birnen aus Südafrika kaufe oder geschnittene Paradeiser (in Plastik verpackt) aus Spanien .

Das einzigartige Ausblenden bei gewohnten Handlungen
Mein Einkaufszettel!
Ja, ich schreibe einen! Und JA – ich nehme ihn auch mit. Ob ich dann auch drauf schaue, ist wieder ein anderes Thema – da komm‘ ich dann zu Hause drauf, dass einiges fehlt, weil ich zu faul war, auf den Zettel zu schauen, weil ich dachte, ich wüsste eh alles :-)
Aber selbst wenn ich auf den Zettel schaue – heißt das nicht, dass ich alles LESE. Es war für mich wirklich eine ganz bewusste Herausforderung, wenn ich in der Stadtgreisslerei Brutschy einkaufen bin, ALLES, was am Zettel steht, auch wirklich zu LESEN! Viele Produkte, die innerlich nicht mit der Stadtgreisslerei verbunden waren (zB Wischtücher kaufe ich immer bei DM), wurden beim Drüberlesen einfach automatisch ausgeblendet, noch bevor ich das Wort wirklich erfassen konnte. Einfach, weil es wohl als Routine XXX fix abgespeichert war.
Es gilt also Routinen zu durchbrechen

Die Umkehr, das NEUE wagen und den Fokus setzen lernen
Wenn man sich also neben all den Alltagsgeschichten, die man abzuarbeiten hat, auch wieder die Zeit nehmen kann, sein Einkaufsverhalten zu überdenken und neu zu planen, so ist das eine feine Sache, wobei man sich selber zu vielen Themen neu auf die Schliche kommt. Ist also auch für die Selbstreflexion gar nicht so übel, so man das möchte.
Also, erster Schritt: Zeit nehmen
Zweiter Schritt: Einkaufsliste schreiben und überlegen, wer was wo anbietet
Dritter Schritt: eine Einkaufsroute planen (inklusive persönlicher, familiärer Bedürfnisse und faktischen Gegebenheiten wie Öffnungszeiten und Verfügbarkeit von Autos)

Umdenken – neu planen – neue Organisation
Zuerst Zentrum
Dann Speiselokal
Dann Steghof (freitags immer megavoll –leider)
Dann St.Pölten Evi’s Gute Stube
Dann Großmärkte
… wenn man das mal ein Monat lang durchhält, sind die alten Gewohnheiten fast durchbrochen.

Und seit Mitte Juli erhalte ich 1x pro Woche ein Gemüsekisterl mit Kulturgemüse aus Neulengbach von Felix Hechtl. der unterhalb vom Heitzing auf ca 2000m2 Gemüse anbaut.

Inzwischen hat sich das Verhältnis so gewandelt: 2/3 des Einkaufes erledigen wir lokal bei Einzelhändlern (Geschäfte im Zentrum, SpeiseLokal, Steghof) und 1/3 dann bei Billa und Co.

Auswirkungen auf das eigene Leben im Alltag
Im Zentrum von Neulengbach kaufe ich NICHT mit dem Auto ein. Dh ich habe einen Super-Einkaufswagen, mit dem ich durch Neulengbach fahre und alles einsammle. Dh aber auch, dass ich mir Zeit nehmen muss. Mit schnell mal durchrennen ist da nichts. Was ja auch wiederum seinen Charme hat – man trifft Menschen und plaudert.
Die Uhrzeiten, wenn man mal spät dran ist – sind auch zu beachten! Bei der Stadtgreisslerei Brutschy kann man am Samstag auch noch NACH 12:00 einkaufen. Und beim Heiss&Süss bekommt auch nach 12:00 noch leckere Mehlspeisen

Auswirkungen auf das Familienleben
Meine Söhne sind wachsamer geworden und achten mehr darauf, was sie wo kaufen. Und wenn sie unachtsam kaufen, dann sind sie sich dessen nun mehr bewusst. Einer meiner Söhne meinte unlängst: ich wusste gar nicht, dass wir in Neulengbach so leckere Sachen haben.
Und doch -  täglich grüßt das Murmeltier der Gewohnheit

Ausblick und Einschätzung
Wir haben Potential bei unserem täglichen Einkaufsritual
Jeder – meine Familie und ich.
Der Konsument hat es in der Hand, wo er sein Geld (wohlgemerkt – verdientes) ausgibt – jeden Tag treffen wir die Entscheidung, wer unser Geld erhält – ein Konzern, der seine Steuern nicht in Österreich bezahlt oder ein regionaler Anbieter, Wirtschaftstreibender, der seine Angestellten angemessen entlohnt und seine Steuern hier bezahlt und somit zu unserem gemeinsamen Wohlstand beiträgt.
Wir sind verantwortlich – jeden Tag, jede Minute – mit jeder Konsumation – wir sind uns unserer ‚Macht‘ nicht bewusst – deshalb ist die Manipulation mit diversen ‚Aktionen‘ auch so einfach.
Hat sich irgendjemand schon mal Gedanken darüber gemacht, dass es zB bei Billa für JEDE Woche einen 10% Gutschein gibt? Wieso das? Wer zahlt bei diesen Aktionen drauf? Wer bekommt am Ende des Tages diese Rechnung präsentiert?

Wir als Gemeinschaft

Zum Abschluss möchte ich erwähnen, dass der persönliche Kontakt, das Aufgehoben sein in einer, wenn auch ′wirtschaftlichen′ Gemeinschaft - ich in der Rolle des Konsumenten - der Dienstleister/Wirtschaftstreibende in der Rolle des Anbieters, die Basis legt für ein bodenständiges, ressourcenschonendes Miteinander - ein Geben und Nehmen im Sinne des gemeinsamen Überlebens und mit dem Blick auf die Zukunft unserer nächsten Generationen.

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