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-Mama und Papa bei ihrer Hochzeit
Abschied-Opa Zoom

Abschied

Nun ist es soweit. Mein Leben ohne Eltern hat begonnen. Mein Vater ist am 24.01.2018 von uns gegangen. Am 13.11.1985 war meine Mutter nach langer, mehr als 10-jähriger Krankheit im Alter von 55 Jahren verstorben. Für meinen Vater, damals ebenfalls erst 55 Jahre alt, und mich (damals 20 Jahre alt), begann eine neue Zeitrechnung. Das letzte Jahr meiner Mutter war dramatisch verlaufen, sie hatte sich einen Tod zu Hause gewünscht und wollte nicht mehr ins Spital, nachdem ein Jahr vor ihrem Tod die Diagnose Lungenkrebs am Tisch lag. Während ich ihren Wunsch respektierte, verzweifelte mein Vater damals daran, dass seine geliebte Frau nicht alles unternahm, um bei ihm zu bleiben.

Die letzten 30 Jahre sind scheinbar wie im Flug vergangen. Jetzt ist auch mein Vater gestorben. Keine Eltern mehr. Mein Vater hat mich schon vor einiger Zeit versucht, sanft auf seine nahendes Ende vorzubereiten.

Wie sage ich es meiner Tochter am besten, dass es für mich Zeit wird, zu gehen ...

Seine Worte sind bei mir angekommen, ich habe versucht, mich vorzubereiten. Aber man ist nie wirklich vorbereitet.

Ich habe noch immer die Szene vor Augen, als sich meine Mutter telefonisch bei ihrem Vater verabschiedet hat - er hat gesagt, das geht nicht, er ist über 80 Jahre alt, er muss gehen, nicht sie. Wie schlimm muss es für Eltern sein, den Kindern nach zu blicken ...

Mein Vater hat ein erfülltes, bewegtes Leben gehabt - er wurde 88 Jahre alt. Er durfte am 24.01.2018 zu Hause an einem Herzstillstand von uns gehen. Am 06.01.2018 hatten wir noch eine große Familienfeier, wo er anwesend war und noch einmal, als Ältester, eine Rede gehalten hat. Das war das letzte Mal, wo ich ihn lebend gesehen habe. Gehört haben wir uns noch 3 Tage vor seinem Tod - er war guter Dinge und hatte den Eindruck, dass es wieder etwas bergauf geht mit seiner Lebensenergie. Sein Körper hat 3 Tage später anders entschieden.

Und trotzdem schmerzt es. Er war der Halt hier im Leben zu meiner Erinnerung an meine Mutter, das Bindeglied zu meinem Leben mit meiner Mutter. Jetzt ist er bei ihr und ich bleibe zurück. Das erfüllt mich zeitweise mit Einsamkeit und Leere. Und es fühlt sich so an, als würde ein Teil meiner Energie sich nun auch auf den Weg machen. Was ich auch tue - ich werde älter und nähere mich auch meinem letztendlichen Ziel. Die Zeit bis dahin gilt es erfüllt zu leben. Wir wissen nie, wann die letzte Stunde schlägt. Wir tun nur immer so, als würden wir ewig leben und auch ich werde mir in solchen Momenten der Trauer immer wieder mehr bewusst, dass mein Leben endlich ist. Mit dem ersten Atemzug ist das Gewissheit.

Während ich mit dem Scheitern zweier Ehen, den Geburten und dem Aufziehen meiner Söhne und meiner neuen Selbstständigkeit beschäftigt war, hat mein Vater seinen zweiten Lebensabschnitt genossen. In den letzten Jahren war er ein paar mal erkrankt, nie wirklich ernstlich, aber doch manchmal beunruhigend. Immer hat er sich wieder erholt und ist zu alter Frische aufgelaufen. Er hatte immer einen (manchmal zu flotten) Scherz auf den Lippen, konnte sich ärgern und schimpfen wie in jungen Jahren. Er war geisitg frisch bis zum Schluss.

Mir hat man immer gesagt, ich war ein Mama-Kind. Das kann schon stimmen. Emotional waren sich mein Vater und ich selten nah. Wir sind beide Sturköpfe (und Steinböcke) und uns wahrscheinlich in einigen Bereichen zu ähnlich. Hatte ich mit meiner Mutter in der Sterbephase alles Offene angesprochen, so blieb dies nun bei meinem Vater aus.
Und ich muss sagen - es ist nichts offen. Er ist in Frieden gegangen und ich habe mich von ihm in Frieden beim letzten persönlichen Treffen verabschiedet.

Wie immer mit den Worten: Pass′ gut auf dich auf!

Ein Blick zurück

Die Kindheitsgeschichte meines Vaters war, wie so viele jener, die um 1930 geboren wurden, tragisch. Seine Mutter Aloisia hat er im Alter von einem Jahr verloren, seinen Vater nie gekannt. Aufgewachsen ist er bei verschiedenen Pflegefamilien, die selbst kaum Geld hatten. Als er an Rachitis erkrankt war, hat ihn seine Großmutter zu sich genommen und die Familie kümmerte sich ab diesem Zeitpunkt um ihn. Zwischen Kärnten, Oberösterreich, dem Salzkammergut, Bad Ischl und Wien verbrachte er seine Kindheit und Jugendjahre. In Wien begann er eine Drogistenlehre und lernte meine Mutter kennen.

Meine Mutter Anita war im Waldviertel in Geras aufgewachsen. Ihre Mutter, Josefine, hatte sie unehelich geboren (damals eine Katastrophe am Land). Mein Opa, Julius, hat meine Mutter als Tochter anerkannt, jedoch eine andere Frau geheiratet (aus dieser Ehe gab es einen Sohn, mein innig geliebter Halbonkel Helmut, der leider auch schon verstorben ist). Der Stiefvater meiner Mutter war in Stalingrad gefallen und meine Großmutter entschied, nach Wien zu ziehen. Als meine Mutter 17 Jahre alt war, verstarb ihre Mutter mit nur 40 Jahren. Von ihrem Vater wurde sie mit 18 für großjährig erklärt, keiner hatte Geld, sie mit zu versorgen.

Mein Vater hatte meine Mutter in der Lehrzeit kennen gelernt, seit dieser Zeit waren sie unzertrennlich - auch ihre beiden Lebensgeschichten haben sie fest aneinander gebunden. Ich kann mich noch an unterschiedliche Erzählungen meiner Mutter erinnern (mein Vater hat zu seiner Jugend eher geschwiegen). Beide durch die Kriegswirren alleine auf sich gestellt, kaum genug zu essen und lange verfolgt von den Grausamkeiten des Krieges. So hatten sie beieinander Halt gefunden.

Nachdem sie geheiratet hatten, war mein Vater im Außendienst tätig und meine Mutter als Sekretärin. 1964 wurde ich geboren, meine Mutter blieb zu Hause. Ziel meines Vaters war es, sich selbstständig zu machen. 1974 war es dann so weit - er machte sich mit einer Drogerie in Wien 23 selbstständig, meine Mutter fing an, halbtags als Sekretärin zu arbeiten und die restliche Zeit im Geschäft mit zu helfen. 1975 erkrankte meine Mutter an Krebs und eine schwierige Zeit begann für uns alle. 1981 kaufte mein Vater ein zweites Geschäft in Wien 23, welches ich mit meiner Mutter bis 1985 geführt habe (ich hatte mich für eine Drogistenlehre entschieden, was mein Vater eigentlich nicht so sehr wollte - er hatte eher an eine Bankkarriere für mich gedacht). 1987 hatte ich die zweite Drogerie meinem Vater abgekauft und einen Naturkostladen daraus gemacht :-)

Mit dem Tod seiner geliebten Frau 1985 begann also eine neue Reise für meinen Vater. Mein Vater war, im Gegensatz zu meiner Mutter, immer sehr gesellig gewesen. Deshalb war es für mich klar, dass er sicherlich nicht im Kummer untergehen würde - glücklicherweise hatte ich recht! Er hat relativ bald meine Stiefmutter, Elisabeth, kennen gelernt. Beide hatten das Glück, mehr als 30 Jahre miteinander zu verbringen. Elisabeth ist ebenso ein Mensch, der gerne unterwegs ist und einen großen Freundeskreis hat - das war wirklich eine mehr als fruchtbare Beziehung für die beiden. Mein Vater hatte die Möglichkeit, vieles, was mit meiner Mutter nicht möglich war, nun mit Elisabeth gemeinsam zu erleben. Ich als Tochter war wirklich sehr sehr froh, dass mein Vater ein zweites Mal im Leben die Chance bekommen hat, mit einer liebevollen Partnerin an seiner Seite in einen neuen Lebensabschnitt zu starten. Und es hat mich als Tochter enorm entlastet nach all den schwierigen Krankheitsjahren meiner Mutter, mich endlich um mich und mein Leben kümmern zu können und nicht auch noch um meinen Vater. Zu sehr hatte uns beide die Krankheit und das letzte Lebensjahr meiner Mutter belastet.

Seine Enkeln

Emil, Sebastian und Daniel. War das Verhältnis am Anfang eher kühl - mein Vater war nicht wirklich für das Versorgen von kleinen Kindern geschaffen, wuchs mit den Jahren, wo die Jungs größer wurden, auch die Liebe und der Respekt voreinander. So war mein Vater die letzten Jahre wirklich ein stolzer Opa, der mit Freude von seinen Enkelsöhnen erzählte.
Für mich war es immer wieder ein Geschenk, wenn wir den Opa besucht haben und er, umringt von seinen drei Enkeln, sich Geschichten von ihnen aus ihrem Leben anhörte und er Geschichten aus seinem Leben erzählte. Das hat mich sehr berührt und versöhnlich gestimmt.
Emil hat Opa gesagt, dass er 90 wird - jetzt hat sich der Opa nicht dran gehalten. Die tiefe Trauer war allen dreien ins Gesicht geschrieben. Aber ich glaube der Schmerz über den endgültigen Verlust ist bei Emil am größten.

Seine Frau, unsere Oma

Und wie geht es nun Elisabeth? Zurückgeblieben, beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt für sie. Während ich mein eigenes Leben mit meiner Arbeit, mit Kindern und meinem Partner habe, hat sie ihr gewohntes Leben verloren. Im Alter alleine zurück zu bleiben stellt dich vor neue Herausforderungen. Sie hat aber ihren Sohn, viele Freunde, 3 Schwestern und ihre 3 Enkelsöhne und mich. Trotzdem - der Platz an ihrer Seite ist nun leer.

Die letzten Verwandten

Eine große Familie, in ganz Österreich verstreut, wird nun immer kleiner, die nächsten rücken nach und fragen sich bei der Verabschiedung: Sehen wir uns noch wieder?
Begräbnisse werden zu den einzigen Treffen, wo ′der Rest′ noch mal zusammen kommt.
Renate (eine Cousine meines Vaters) meinte, als nächstes möchte sie alle bei einer Hochzeit wieder treffen.
Für mich ist es wie das Blättern in den Familienalben - wen kenne ich, wer erkennt mich noch, wer ist noch da, wer hat sich schon verabschiedet und welche Kindheits- und Jugenderinnerungen tauchen auf ... eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit.

Seine Freunde

Mein Vater hatte einen großen Freundeskreis. Einige sind ihm schon voraus gegangen. Einige werden ihm folgen. Am Begräbnis waren Freunde, die seit fast 60 Jahren an seiner Seite waren. Alle Freuden und all sein Leid mit ihm geteilt haben. Wie es ihnen wohl dabei jetzt geht, ihm nach zu blicken?

Last words

Aus: Illusionen, Richard Bach

Stelle dir das Weltall schön und gerecht und vollkommen vor.
Dann sei aber sicher:
Das Sein hat es sich viel besser vorgestellt als du.

Was Opa noch geschrieben hat

Ich bin nicht gestorben, ich bin Euch nur vorausgegangen.
Jedes Ende ist ein glücklicher Anfang.
Ihr habt mit mir den Weg geteilt und jetzt habe ich mein Ziel erreicht.

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